Persönlichkeitsstörungen - Leitfaden für die Psychologische Psychotherapie

Persönlichkeitsstörungen - Leitfaden für die Psychologische Psychotherapie

Anbieter: Hogrefe     Amazon

R. Sachse (Hogrefe):
Persönlichkeitsstörungen - Leitfaden für die Psychologische Psychotherapie

Das Buch ist das zweite in der Reihe von Büchern zu Persönlichkeitsstörungen: In diesem Buch werden alle Persönlichkeitsstörungen dargestellt und es wird ausgeführt, welche zentralen Motive, Schemata und psychischen Strukturen jede einzelne Persönlichkeitsstörung aufweist. Zu jeder Störung werden spezifische Strategien therapeutischen Handelns dargestellt.

Dieses Buch geht somit weit über das erste hinaus. ("Psychologische Psychotherapie der Persönlichkeitsstörungen")

Geringe Kooperationsbereitschaft, das Verwickeln des Therapeuten in interaktionelle Probleme und Probleme bei der Entwicklung eines Arbeitsauftrags sind typische Schwierigkeiten bei der psychotherapeutischen Behandlung von Persönlichkeitsstörungen. Dieses Buch liefert Therapeuten Informationen über die psychologische Funktionsweise von Persönlichkeitsstörungen, und es spezifiziert effektive therapeutische Strategien: Strategien der komplementären Beziehungsgestaltung, der Explikation wichtiger Beziehungsmotive, der Bearbeitung interaktionaler Spielstrukturen sowie der Umstrukturierung dysfunktionaler Schemata. Es stellt außerdem therapeutische Strategien für den Umgang mit schwierigen Interaktionssituationen vor, wie zum Beispiel den Umgang mit Beziehungstests, Kritik am Therapeuten und anderen dysfunktionalen Interaktionsstrategien. Diese therapeutischen Strategien erlauben dem Therapeuten ein effektives therapeutisches Handeln und den Aufbau einer tragfähigen therapeutischen Allianz.

Kurzbeschreibung entnommen: www.hogrefe.de


Aus dem Hogrefe-Verlag
Sachse hat mit "Persönlichkeitsstörungen. Leitfaden für die Psychologische Psychotherapie" ein kurzes und übersichtliches Werk vorgelegt. Als erstes Thema entfaltet der Autor theoretische Grundannahmen über Persönlichkeitsstörungen mit den Ziel, konkrete Handlungsmöglichkeiten für die Therapie abzuleiten. Er beschreibt das Modell der doppelten Handlungsregulation. Es geht von der Grundannahme aus, dass dysfunktionale Überzeugungen über Beziehungen, dysfunktionale Intentionen, die sich auf Interaktionen beziehen und daraus resultierende dysfunktionale Beziehungsgestaltung den Kern einer Persönlichkeitsstörung beim darstellen. Die Handlungsregulation ist eine doppelte, weil sich die Steuerung von Handlungen bei Menschen hauptsächlich auf der Ebene der Motive für zwischenmenschliche Handlungen und der Ebene des konkreten Handelns ("Spielebene") bewegt. In dem dargestellten Theoriegebäude wird, ausgehend von den übergeordneten, sehr allgemeinen theoretischen Annahmen, über mehrere Zwischenannahmen der Bezug zu ganz konkreten Verhaltensweisen von Klienten mit bestimmten Störungen hergestellt. Obwohl das Theoriegebäude von seiner Anlage her auf diese Weise sehr gut empirisch überprüfbar wäre, führt der Autor kaum systematisch gewonnene Verifikationen seiner Theorie an. Als empirische Belege muss sich der Leser mit den vielen klinischen Einzelerfahrungen, aus denen der Autor schöpft und die er bei seiner Beschreibung der einzelnen Störungsbilder anführt, begnügen. Diese Erfahrungen wirken allerdings sehr einleuchtend und ergänzen sich widerspruchsfrei.

Ein zweites Thema des Buches sind die therapeutischen Prinzipien, die im Rahmen der vorausgestellten Theorie zu beachten sind. Die Beziehungs- und Interaktionsstörungen als Kern der einzelnen Persönlichkeitsstörungen sind Gegenstand der Behandlung und bilden sich natürlich auch in der Beziehung zum Therapeuten ab. Er hat die Aufgabe, im Rahmen einer effektiven Therapie professionell mit ihnen umzugehen. Hier öffnet Sachse seinen Methodenkoffer. Techniken wie Konfrontation mit der Spielebene, das Ein-Personen-Rollenspiel, biographische Arbeit oder Arbeit an der Verminderung von Alienation werden als wesentliche Bestandteile einer Therapie bei Persönlichkeitsstörungen vorgestellt. Die Arbeit hat ihren Schwerpunkt im Gespräch mit dem Klienten und in der Anleitung zur Selbstreflexion. Ziel ist, dass der Klient versteht, was er tut und einen Zugang zu seinen Motiven findet. Der Therapeut hat die Aufgabe, mit viel Fingerspitzengefühl aktiv Techniken einzusetzen, um den Klienten zur Weiterentwicklung anzuregen.

Das dritte große Thema sind die Persönlichkeitsstörungen als solche. Sachse teilt die Persönlichkeitsstörungen des DSM-IV in die Klassen "rein" und "hybrid" ein. Nur die reinen Persönlichkeitsstörungen können aus seiner Sicht als reine Beziehungsstörungen bezeichnet werden und innerhalb des Modells der doppelten Handlungsregulation erklärt und behandelt werden. Danach geht der Autor detailliert auf alle reinen Persönlichkeitsstörungen ein, die er nochmals in zwei Gruppe, die Nähe-Störungen und die Distanz-Störungen, einteilt. Sachse arbeitet jede Störung nach demselben Raster ab, indem er sich u. a. zu zentralen wirksamen Beziehungsmotiven, zu Aspekten von Alienation, zu Gesichtspunkten der Spielebene und zu spezifischen Konsequenzen für das therapeutische Vorgehen äußert. Die rasterhafte Vorgehensweise lässt die Darstellung bisweilen zu typologisierend und vereinfachend erscheinen. Dennoch wird hier ersichtlich, wie viel klinische Erfahrung der Autor vorzuweisen hat. Die Beispiele sind sehr gut nachvollziehbar und glaubwürdig. Die Darstellungsweise der abgehandelten Persönlichkeitsstörungen mündet dann am Schluss des Buches in eine zusammenfassende Tabelle, in der alle Störungen bezüglich ihrer Besonderheiten erfasst und verglichen werden. Damit erreicht die von Sachse angewendete Systematik einen weiteren Höhepunkt. Die konsequente Einhaltung der durchgeführten Systematik bis zum Schluss kann nun leicht dazu verleiten, die Inhalte des Werks mit ihren unzähligen Belegen aus Einzelfallbetrachtungen für letztendlich empirisch bestätigt zu halten. Deshalb ist es wichtig, den Autor ernst zu nehmen in seinem Standpunkt, dass die Störungen auch anders interpretiert und behandelt werden können.

Sachse kommt es letztlich auf die Konzeption eines schlüssigen theoretischen Konzepts mit praktisch-therapeutischer Bedeutung an. In seinen praktisch-therapeutischen Aspekten kann das Buch wie ein Nachschlagewerk eingesetzt werden. Es ist nicht notwendig, wenn auch sehr interessant, es ganz durchzulesen. Es kann bei Bedarf selektiv und auf einzelne Störungen bezogen zu Rate gezogen werden. Therapeuten, die mit Klienten mit Persönlichkeitsstörungen zu tun haben, wissen wie mühsam die Arbeit mit ihnen sein kann. Sie kommen hier häufig an ihre Grenzen und brauchen dann neue Distanz und frische Ideen, um motiviert weiterarbeiten zu können. Sachse hat hierfür ein kreatives Buch in einer sehr gut lesbaren und bildlichen Sprache vorgelegt. Es ist in seiner Kürze ein reichhaltiger Fundus, dem sich viele Ansatzpunkte zum therapeutischen Weitermachen entnehmen lassen.

Karin Mauthe, Kirchheim


Buchrezension
Rainer Sachse: Persönlichkeitsstörungen

Inhaltszusammenfassung
Ausgangspunkt für die Überlegungen Sachses zur Therapie von Persönlichkeitsstörungen ist sein Modell der doppelten Handlungsregulation von Menschen mit Beziehungs- und Interaktionsstörungen. Er attestiert allen, auch persönlichkeitsgestörten, eine normale Regulationsfähigkeit dort, wo es um ihre ureigensten Motive geht, um das, was ihnen wichtig ist. Hinzu jedoch kommt eine pathologische Regulation von Beziehungen, wo Geschädigte defizitäre Schemata und Annahmen über sich und die anderen resp. den Verlauf von Beziehungen haben. Als (wohl suboptimale) Lösung bezeichnet Sachse die Spielebene, auf welcher die pathologische Regulation mit ihren Schemata und Annahmen über die eigene Person und über Beziehungen ausgelebt wird. Dabei beurteilt er die Spielebene insofern als aufwendig, als damit immer nur Teilziele befriedigt werden können, ein zentrales Anliegen, nämlich als ganze Person respektiert und akzeptiert zu werden, damit nie in Erfüllung gehe.

Ausgehend von dieser Darlegung der doppelten Handlungsregulation skizziert Sachse in der Folge diese Prinzipien vor dem Hintergrund der bekannten Persönlichkeitsstörungen. Diese unterscheidet er in reine und hybride Störungen. Als hybride Störungen grenzt er Borderline-Störungen, schizotypische Störungen und antisoziale Persönlichkeitsstörungen ab. Die in seiner Terminologie "reinen" Störungen wiederum unterscheidet er in solche, die er als Nähe-Störungen bezeichnet und andere, die er als Distanz-Störungen charakterisiert. Zu den ersteren, den Nähe-Störungen, gehören selbstunsichere, dependente, narzisstische und histrionische Störungen, zu den Distanz-Störungen passiv-aggressive, schizoide, paranoide und zwanghafte Persönlichkeitsstörungen. Diese 8 Störungen, die seines Erachtens als "reine" Störungen verstanden werden können, werden systematisch anhand der zentralen Beziehungsmotive, der zentralen Schemata, der von ihnen inszenierten Spiele und der Tests, mit denen die Patienten den Therapeuten prüfen, charakterisiert. In der Folge werden die therapeutisch empfohlenen Vorgehensweisen skizziert, so z.B. die Komplementarität auf der Motivebene, die Explizierung der Beziehungsmotive sowie der Schemata und Regeln, das Transparent-Machen der Spielstruktur, die biografische Arbeit und auch der Umgang mit den Tests. In einem letzten Schritt schliesslich wird die Überarbeitung der Schemata anvisiert und es werden spezifische Interventionen, die sich speziell bei der einen oder anderen Störung eignen, herausgearbeitet.

Kritik
Während der ersten beiden Kapitel muss der Leser sich durch die Theorie des Autors durcharbeiten, hier vor allem die zentrale Annahme der doppelten Handlungsregulation. Ebenso muss er während dieser zwei Kapitel eine neue Perspektive von Persönlichkeitsstörungen (Nähe versus Distanz / rein versus hybrid) zur Kenntnis nehmen. In der Folge allerdings findet der Leser dann ein Buch vor sich, welches ausserordentlich praxisnah und hilfreich für den Umgang mit persönlichkeitsgestörten Patienten, allenfalls für Patienten mit Interaktions- und Beziehungsstörungen überhaupt ist. Der Autor bringt eine Vielzahl von Beispielen, um die von ihm gewählte Struktur der Persönlichkeitsstörung zu illustrieren, ebenso um die Umsetzung der von ihm empfohlenen technischen Vorgehensweisen nachvollziehbar zu machen. Der psychopathologisch geschulte Leser mag allenfalls über einzelne Details stolpern, so z.B. darüber, dass der Terminus "Alienation" als neuer Begriff eingeführt wird, obwohl doch "nur" eine neue Bedeutungszumessung erfolgt. Ebenso bleibt nicht immer nachvollziehbar, weshalb der Autor von der systematischen Vorgehensweise, mit der er die Kapitel aufbaut, abrückt und immer mal wieder eine neue Unterstruktur wählt. Als Leser wünsche ich mir einen Algorhythmus, der jedem Kapitel der einzelnen Persönlichkeitsstörungen zugrunde liegt.

Diese Kritik allerdings soll das Verdienst dieses Buches nicht schmälern. Sachse gelingt es, für Probleme, welche sich im therapeutischen Alltag immer wieder finden, eine Vielzahl von Antworten zu finden. Diese Vielzahl von Antworten vermochte er in seine Theorie der doppelten Handlungsregulation einzubauen. Für den praktisch arbeitenden Therapeuten empfiehlt es sich daher, mit den Persönlichkeitsstörungen, ihren Erscheinungsformen und den Interventionsmöglichkeiten zu beginnen und erst am Schluss die einführenden Kapitel zu lesen. Das kurz gehaltene theoretische Skizzieren der zugrunde liegenden Mechanismen, welche durch das Erscheinungsbild zur Intervention führen, ergibt sich dann fast wie von selbst.

Basel, 21.01.2006/fk
PD Dr. E. K. Hermann

Buchrezension von Maike Preiss, Marburg

Das vorliegende Buch von Rainer Sachse beschäftigt sich mit dem psychotherapeutischen Vorgehen bei Persönlichkeitsstörungen. In einem Einführungskapitel wird der Aufbau des Buches erklärt, welches eine Fortsetzung und ein psychotherapeutischer Leitfaden in Ergänzung zu seinem Buch "Psychologische Psychotherapie bei Persönlichkeitsstörungen" aus dem Jahre 2001 darstellt.

Begonnen wird mit der Definition des Kontextes Therapeut - Patient - Persönlichkeitsstörung und es werden die allgemeinen Charakteristika von Patienten mit einer Persönlichkeitsstörung nähergebracht. Es folgen Erörterungen zu den generellen, therapeutischen Prinzipien bei Klienten mit Persönlichkeitsstörungen und der Leser erhält einen kurzen Einblick in den didaktischen Aufbau, der in den folgenden Kapiteln angewendet wird. Die dazugehörige Auseinandersetzung mit den auftretenden Möglichkeiten und Limitationen während der Behandlung eröffnet zugleich einen pragmatischen, realistischen Ansatz für das Vorhaben.

Es wird darauf hingewiesen. dass dem Störungskonzept dieses Buches die Grundannahme vorangestellt wird, dass Persönlichkeitsstörungen als Beziehungs- oder Interaktionsstörungen verstanden werden und zum Verständnis der Pathogenese das Modell der doppelten Handlungsregulation zugrunde gelegt wird. An dieser Stelle kurz zusammengefasst, bedeutet dies, dass der Betroffene sich mit seiner Störung in einem vielschichtigen System befindet. aus dem heraus -mit mehr oder minderem Erfolg - und den zur Verfügung stehenden Mitteln er versucht, die vorliegende Beziehungs- oder Interaktionsstörung zu lösen. In den nun folgenden Kapiteln wird auf die verschiedenen Persönlichkeitsstörungen im Speziellen eingegangen. Die Schilderung der Persönlichkeitsstörung wird jeweils begonnen mit der Diagnostik und der Störungstheorie und es folgt darauf aufbauend die empfohlene therapeutische Vorgehensweise. Es wird leicht verständlich dargestellt, wie unmittelbar die ursächliche Beziehungs- oder Interaktionsstörung, die für jede einzelne Persönlichkeitsstörung etwas anders zusammengesetzt ist, direkt durch den Klienten in die Therapiesituation eingebracht wird und die Diagnostik und Therapie beeinflusst. Die Implikationen für die Behandlung, für das Verhalten und die Haltung des Therapeuten und die Unterschiede bei den einzelnen Persönlichkeitsstörungen werden jeweils erörtert. Die Sprache ist zuweilen etwas salopp gewählt. Insgesamt ist es ein empfehlenswerter, Neugier bereitender und Verständnis werbender Zugang für diese Patientengruppe, der lesenswert für den bereits etwas erfahreneren Therapeuten ist.

Maike Preiss, Marburg




Institut für Psychologische Psychotherapie Prof. Rainer Sachse - www.ipp-bochum.de